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Mittwoch, Dezember 17, 2014

Alegra, oder die wunderbare Wandlung....

♥♥Alegra♥♥

Als ich sie im Wald auf dem einsamen Weg hoch in den Bergen fand, da war sie alles andere als fröhlich oder glücklich.
Wie ein Häufchen Elend lag sie dort mitten auf dem Wanderweg, zusammengekauert, ohne das abgemagerte Köpfchen zu heben.


so habe ich sie gefunden

 Die mageren Rippen stachen aus ihrem Körper, der Kopf schien unnatürlich groß, da der Körper so geschrumpft war. Als ich sie ansprach wedelte sie ein paar Mal schwach, ansonsten keinerlei Reaktion. Mir war sofort klar, dieser Hund hatte sich zum Sterben hingelegt, er hatte sich aufgegeben.
nach drei Tagen
Ich stellte sie auf die Beine, aber sie fiel sofort wieder um... Ich hatte etwas Wasser im Rucksack, goss es in eine kleine Tüte und sie hat sofort gierig eine kleine Wasserflasche voll getrunken, ebenso meine drei Hundeplätzchen schluckte sie gierig herunter, ohne zu kauen, so am Stück.
Ich nahm sie auf den Arm , ließ meinen Hund Fips frei laufen und trug  die ca 4-5 kg Lebendgewicht die 4 km den Berg herunter bis zu meinem Auto. Dort gab ich ihr noch einmal Wasser, ich glaube, sie hat auf einen Schlag einen halben Liter getrunken.
Unterwegs hatte ich schon Renate vom Tierschutz aus der Urbanisation angerufen, sie hatte inzwischen einen Termin beim Tierarzt für mich gemacht. 
Der Tierarzt gab ihr  eine Aufbauspritze und widerlegte meine Idee, dass es ein Welpe sei durch eine Inspektion der Zähne. Die Hündin war ausgewachsen und ca 1 1/2 Jahre alt, ein Mischling aus: Bardino-Boxer und..und..und...
Ich schwor mir, sie zum glücklichsten und fröhlichsten Hund der Erde zu machen und dort bekam sie dann auch den Namen "Alegra" von mir.
nach 10 Tagen
Nun bekam Alegra schon vor der Türe das erste mal zu fressen, wir hatten nichts anderes wie Katzen-Nassfutter und so schlang sie drei Päckchen davon herunter. Mit diesm Fressen erwachte ihr Lebenswille wieder und sie versuchte sich zu stellen, ja sogar zu laufen.
Ich packte sie ins Auto, hielt unterwegs noch einmal kurz und holte 3 kg Hähnchenfleisch, Möhren, Vollkornreis und Hefeflocken, sowie Lebertran.

Zuhause kochte ich ihr sofort ein tolles 
 Hühnergericht und  sie fraß so schnell, gierig ohne zu kauen, dass mir Angst wurde. Dieses Spiel wiederholte sich dann alle zwei Stunden, auch des nachts. Sie zitterte und schlotterte und so wickelte ich sie in Decken ein, darunter eine Wärmeflasche und ab in das Körbchen von Fips, der das auch widerstandslos akzeptierte.
Beim Arzt habe ich Alegra gewogen, sie wog dort 4,8 kg und sie sollte ein Endgewicht von ca 13 bis höchstens 14 kg bekommen.
erste Ausflüge nach 2 Wochen
Alegra machte riesige Fortschritte, ich konnte zusehen wie sie zunahm und jeden Tag ein wenig frecher. Sie ist ein wundervoller Hund, fröhlich, anschmiegsam, sozial, aufgeweckt und vor allem dankbar mit einem Riesenherz voller Liebe zu den Menschen.
Ein paar Tage später habe ich sie in zwei Etappen entwurmt, damit ihre so geschädigte Darmflora nicht sofort wieder einen Rückschlag bekam.
Sie bekam immer noch alle zwei Stunden einen Napf voll, ab und zu mit einem Eigelb oben drauf und ein wenig Kernöl. Und dazu ein Pülverchen für die geschädigte Darmflora und ein wenig Vitamine.
Nach einer Woche wog Alegra 8,4 kg und ich musste nun ganz langsam zurückfahren, also die nächtlichen Mahlzeiten reduzieren.
sie erholt sich
Nun war sie soweit, dass wir die ersten Ausflüge machen konnten, ich wollte schon wissen, wie sie auf andere Hunde und Menschen reagieren würde und wie ihr Jagdverhalten war.

Alegra war draußen sehr lebendig, mit Fips um die Wette rennen, herumtollen und mit anderen Hunden komunizieren war alles kein Problem. Kleine Eidechsen ließen sie unbewegt da stehen und sehr konzentriert und wachsam schauen, ob sie eine erwischen kann. Ich denke, sie ist zur Jagd gebraucht worden und hat in einem Rudel gelebt.
Liebe geben trotz aller Qualen
Anderen Menschen gegenüber zeigt sie sich sehr aufgeschlossen und  kontaktiert sehr liebevoll. Aber wenn sie einen Vogel gesehen hat, dann hat sie angefangen zu trompeten, solche Töne habe ich noch nie von einem Hund gehört. Auch wenn sie Hunde in Gruppen oder angeleint sah und nicht sofort hin konnte, dann war sie fähig sich wie ein Aal aus dem Geschirr zu winden. Mir war klar, mit später noch 5 kg mehr, würde  sie ein Kraftpaket sein und nicht ohne Probleme mal eben an der Leine zu halten sein.



Mit Fips verstand sie sich von Tag zu Tag besser, d. h. mein Fips wollte am Anfang nicht so wie sie, er war eifersüchtig. Aber dann war das Eis gebrochen und die Beiden tobten im Garten herum, als wären sie zusammen aufgewachsen.
Des nachts schliefen beide Hunde bei mir im Bett, Fips durfte es schon immer und Alegra hat sich diesen Status mit viel eigenem Willen und einer wirklichen Sturheit erarbeitet. Ich fand es aber auch irgendwie ungerecht einen Hund neben mir , der Andere unten, naja ...so lag Alegra oben auf einer Decke und Fips auf der anderen Seite an meinen Beinen.
erster Ausflug auf den Schneeteide
Alegra war von Anfang an sauber, sie kratzt an meinem Bein, wenn sie raus muss, aber in der Zeit des nächtlichen Fressens habe ich die Terrassentür soweit offen gelassen, das sie jederzeit heraus konnte in den Garten. Hier auf Teneriffa kann man das so machen mit diesem Klima. Der Filariatest war negativ und ich gab ihr eine Monatsspritze Antifilariamittel zur Vorbeugung, denn in Deutschland braucht sie das ja nicht.
Alegra entwickelte sich wirklich mit meiner Aufbaukost rasant. Sie entwickelte Muskeln und kein Gramm Fett und sah schon nach 10 Tagen sehr proper aus.
Und sie wurde eine richtige Schönheit, mit wunderbaren Augen und einem betörendem Blick.
Und Alegra haart nicht, sie hat kurzes, sehr dichtes und glänzendes Fell, gestromt und leicht borstig.
 Je mehr Alegra zunahm, umso kleiner erschien mir, der zuerst so mächtig wirkende Kopf. Und ganz besonders hübsch sieht ihr schwarzes Dreieck aus, welches sich von der Nase bis hin zwischen die Augen erstreckt.
wie neu geboren
beim Tierarzt
Alegra war schon nach 10 Tagen sehr entspannt und hat es genossen sich auf den Rücken liegend zu wälzen und liebt Streicheleinheiten an Brust und Bauch. Die ersten Tage liebte sie es eher in dicke Decken gehüllt in Fips Körbchen zu liegen.Als bei uns Neuschnee auf dem Teide war, da fuhr ich mit Beiden hoch auf 2200 m in den Schnee, wollte mal sehen, wie sie sich mit solchen unbekannten Elementen machte. Schnee war für sie kein Problem, einmal kurz geschnuppert und dann drauf los, sie hatte sogar ziemlichen Spass dabei. Und sie hatte jetzt schon ordentlich Kraft, ein Powerpaket.Aber als ich sie 10 Minuten alleine angeschnallt im Auto gelassen hatte, ohne Fips, da hatte sie vor Panik ihr Geschirr zerbissen. Mit Fips war das bisher kein Problem, auch nicht das "alleine zu Hause" lassen. 

In der Zwischenzeit hatte ich auf meiner FB Seite Alegras Geschichte gepostet und nach einer neuen Familie oder Pflegestelle gesucht. Und ich hatte Glück und es meldete sich auch eine Pflegestelle, die Alegra zu sich und ihren zwei großen, alten Doggen nehmen wollte. Sogar einen Flugpaten hatten wir auf Anhieb und so waren es jetzt nur noch eine Woche bis zum Abflug. Da gab es jetzt noch eine Menge zu tun.
mit Myrna unterwegs

Es gab nun keine Nachtmahlzeiten mehr und das Essen wurde umgestellt auf sehr gutes Trockenfutter mit etwas Reis und den berühmten Hefeflocken, das funktionierte gut und ohne Probleme. Wenn Alegra Hunger hatte, dann schnappte sie sich den leeren Blechnapf und warf ihn mir vor die Füße, ganz schön klever, gelle.
kurz vor dem Abflug
                                                   Nun ging es ein letztes Mal zum Arzt wegen Impfung, Chip und Ausweispapieren. Cesar war platt, als er Alegra sah, konnte es kaum glauben und ich war mächtig stolz, denn drei Tage vor Abflug, da wog Alegra 12 kg. Von 4,8 kg in noch nicht mal drei Wochen auf muskulöse 12 kg, boh....wir hatten es geschafft.
proper und 7 kg mehr
Wegen ihrer Blutarmut habe ich Alegra dann immer wieder anstatt Möhren Spinat unter das Essen gemischt und sie hat wegen des niedrigen Kaliumspiegels einmal in der Woche eine Banane aus der Hand bekommen, alles hat funktioniert....
Nun galt es noch eine große Reisebox zu kaufen. Dafür fuhren wir mit Myrna, aus dem Tierschutz Arico, nach Sante Cruz de Tenerife zum Großhändler, Alegra immer dabei, ach ja, Autofahren an sich liebt sie, ihr wird auch nicht schlecht, aber sie braucht dringend eine Box im Auto, das konnte ich nicht machen hier mit meinem Kleinstwagen mit Minikofferraum, deswegen war sie bisher nur angeschnallt.
Abschied am Flughafen
                                                                        Beim Großhandel gab es noch einen Zwischenfall, dort kam uns ein bissiger Hund entgegen und wollte meinen Fips an den Hals, richtig heftig....da warf sich Alegra einfach dazwischen mit ihrem ganzen Körper bot sie ihm Schutz. Der Besitzer konnte den bissigen Hund gerade noch rechtzeitig wegnehmen und alles ist gut gegangen, aber sie hat sich so toll verhalten, ich war mächtig stolz auf sie.
Die Box hat Alegra sofort angenommen, mit ein paar Leckerlies habe ich sie rein gelockt und sie gelobt und das Ganze oft wiederholt, mit dem Erfolg, dass sie sogar Stunden darin verbrachte und schlief.
Jetzt sind es nur noch zwei Tage bis zum Flug und mein Herz sagt "aua"!!!
                                                                            Wenn ich in dieses Schnütchen schaue, dann weiß ich wieder, dass jede noch so kleine Tätigkeit im Tierschutz gerechtfertigt ist und sich lohnt. Das Bild in der Box ist mein absolutes Lieblingsbild und zeigt, mit welchem Vertrauen und großer Liebe sie zu mir schaut. Am Abend gab es extra Schmuseeinheiten, Alegra durfte auf meinen Schoß und wir haben wunderbare Minuten des Abschieds verbracht. Sie hat die Augen zu gemacht und es war mir, als würde sie lächeln.
Und Morgen da würde ich sie  entlassen, in den ersten Tag ihres glücklichen und neuen Lebens. 

Alegra ist ein ungeheuer willensstarker Hund. Sie weiß genau was sie will und muss noch viele Dinge lernen. Ich konnte das nicht in den drei Wochen  alles erreichen, aber ich habe mein Bestes gegeben.
Auf dem Flughafen war alles ziemlich chaotisch, leider....
im neuen Zuhause bei Sabine
Alegra hat die Aufregung gespürt und ich musste sie dann vorzeitig in die Box laden, denn sie sah andere Hunde im Terminal und fing wieder an zu trompeten, aber sowas von laut, dass alle Passagiere an den Schaltern sich verwundert umgedreht haben. Und sie hat sich wieder so gewunden, dass ich Angst hatte , das neu gekaufte starke Geschirr würde auch nicht halten, also ab in die Box und dann eine Decke drauf gelegt und die Sicht versperrt. In die Box hatte ich mein Nachthemd gelegt, damit sie den Geruch hat und sich nicht schon wieder verlassen vorkommt. Es alles ganz schön schwierig für mich und sehr emotional, als ich sie so in der verschlossenen Box sah, mit weit aufgerissenen Augen, oh manno, wenn ich doch nur jünger und gesünder wäre, ich hätte sie behalten.

Am Abend bekam ich dann die Nachricht, dass Alegra alles gut überstanden hat und sich auch mit den zwei Doggen hervorragend verstand. Das hatte ich erwartet, denn ich hatte sie ja oft genug mit Hunden beobachtet und zusammengeführt.
neues Geschwisterchen
Also, alles war gut und die Pflegestelle  konnte nur Positives berichten.
Alegra versteht sich super mit den neuen Geschwistern und ist nun endlich wieder in einem größeren Rudel, ich hatte das Gefühl, dass sie das unbedingt brauchte.
Sie ist entspannt und hat mich schon am ersten Tag vergessen...so spielt das Leben eben.
Sie hat einen großen Garten, so wie es hier auch war und darf auch im Bett schlafen. Ich weiß, ohne diesen Körperkontakt da hat sie schlechte Träume und weint im Schlaf.
Sie darf mit auf die Arbeit und benimmt sich überall nur sozial und verträglich.
Ob Alegra vielleicht für immer bleiben darf, das weiß ich nicht, aber ich denke, sie wird sicher bis zu ihrer Sterilisation dort bleiben dürfen.
Alegra durfte den von mir mit so viel Liebe ausgesuchten Namen nicht behalten, ihr Rufname ist jetzt "Vroni". .

Das wäre mein einziger Wunsch gewesen.
Ich wünsche dieser Zaubermaus alles Gute und ein glückliches weiteres Leben.....
Ich werde dich nie vergessen...

Fotografie: Akima Futura
Fotobearbeitung :   Fotoemotion Casagrande